Wer die Barrierefreiheit einer Website überprüfen möchte, kann auf verschiedene Testwerkzeuge zurückgreifen. Neu ist der kostenlose BFSG-Check von nextlevels, der technische Prüfungen mit ausgewählten Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) verbindet.
Das Besondere: Das Online-Werkzeug liefert seine Ergebnisse auf Deutsch und betrachtet neben technischen Kriterien der WCAG auch ausgewählte nicht-technische Anforderungen des BFSG. So erhalten Website-Betreiber einen ersten Überblick über mögliche Barrieren und darüber, an welchen Stellen sie genauer hinschauen sollten.
Was prüft der BFSG-Check?
Das Prüfwerkzeug untersucht jeweils die Startseite und eine Unterseite. Dazu öffnet es beide Seiten in einem echten Browser und nutzt die automatische Prüftechnik axe-core. Geprüft werden die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1 und 2.2 auf den Konformitätsstufen A und AA.
Die technische Prüfung umfasst unter anderem folgende Kriterien:
- Farbkontraste: Sind Texte ausreichend kontrastreich gestaltet?
- Alternativtexte: Haben Bilder Alternativtexte, die sich automatisiert erkennen lassen?
- Bedienelemente: Sind Formularfelder, Buttons und Links beschriftet?
- Seitenstruktur: Sind Überschriften und andere strukturelle Elemente sinnvoll ausgezeichnet?
- Seitensprache: Ist die Sprache der Seite korrekt hinterlegt?
- ARIA: Werden Rollen und Attribute korrekt eingesetzt?
Die Ergebnisse helfen dabei, technische Auffälligkeiten schnell zu erkennen und konkrete Ansatzpunkte für Verbesserungen zu finden.
Zusätzlich prüft der Schnelltest ausgewählte Anforderungen des BFSG. Denn digitale Barrierefreiheit umfasst auch Informationen und Kontaktmöglichkeiten. Der BFSG-Check untersucht deshalb drei weitere Bereiche, die er getrennt ausweist:
- Informationen zur Barrierefreiheit gemäß § 14 BFSG. Der Test prüft, ob die Startseite auf diese Informationen verlinkt, ob sie erreichbar sind und ob Stichworte zu den Angaben aus Anlage 3 BFSG vorkommen. Die automatisierte Prüfung kann allerdings nicht abschließend beurteilen, ob die Angaben vollständig, inhaltlich korrekt oder rechtlich ausreichend sind.
- Kontaktmöglichkeit: Menschen mit Behinderungen sollten eine Möglichkeit haben, auf Probleme bei der Nutzung digitaler Angebote hinzuweisen. Deshalb sucht das Tool nach einem Kontakt-Link, einer E-Mail-Adresse oder einem Kontaktformular, über das Nutzer Barrieren melden können. Auch hier geht es zunächst um die automatisierte Erkennung eines möglichen Kontaktwegs. Ob dieser tatsächlich gut auffindbar, verständlich und für alle nutzbar ist, muss gegebenenfalls zusätzlich manuell geprüft werden.
- Cookie-Banner mit der Tastatur erreichen: Der Check prüft die Erreichbarkeit per Tabulatortaste und erfasst die Namen der Buttons. Das ist ein sinnvoller zusätzlicher Prüfpunkt, denn Barrieren in Cookie-Bannern können bereits den Zugang zu den eigentlichen Inhalten behindern.
Auf Deutsch, ohne Anmeldung und in höchstens 60 Sekunden
Der Einstieg ist unkompliziert. Der Check kann kostenlos und ohne Anmeldung genutzt werden. Die Ergebnisse liegen auf Deutsch vor und stehen laut Anbieter innerhalb von höchstens 60 Sekunden zur Verfügung.
Das erleichtert den Einsatz insbesondere für Website-Betreiber, die sich einen schnellen ersten Überblick verschaffen möchten, ohne sich zunächst mit englischsprachigen Prüfberichten oder komplexen Werkzeugen auseinandersetzen zu müssen.
Auch für Agenturen, Entwickler und Verantwortliche für digitale Angebote kann das Tool ein praktischer Ausgangspunkt sein, um erste Schwachstellen zu identifizieren und weitere Prüfungen gezielt zu planen.
Was ein automatischer Test leisten kann – und was nicht
So hilfreich automatisierte Tests sind: Sie können eine umfassende Prüfung der Barrierefreiheit nicht ersetzen.
Ein Werkzeug wie der BFSG-Check erkennt vor allem Fehler, die sich anhand technischer Regeln automatisiert feststellen lassen. Ob ein Alternativtext den Bildinhalt sinnvoll beschreibt, eine Überschrift die Inhalte verständlich strukturiert oder ein Formular für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen tatsächlich nutzbar ist, lässt sich nicht in jedem Fall zuverlässig automatisiert beurteilen.
Auch die bloße Existenz einer Information zur Barrierefreiheit belegt noch nicht, dass diese vollständig und rechtlich korrekt ist. Gleiches gilt für die Erkennung einer Kontaktmöglichkeit oder die technische Prüfung eines Cookie-Banners.
Für eine umfassendere Bewertung sind deshalb manuelle Prüfungen notwendig. Dazu gehören beispielsweise:
- die Beurteilung der inhaltlichen Qualität von Alternativtexten,
- die Prüfung von Tastaturbedienung und sichtbarem Tastaturfokus,
- die Überprüfung von Formularen, Fehlermeldungen und Bedienabläufen,
- die Bewertung von Verständlichkeit und Orientierung,
- Tests mit assistiven Technologien wie Screenreadern,
- die inhaltliche Prüfung der Informationen zur Barrierefreiheit.
Der Anbieter weist auf diese Grenzen ausdrücklich hin. Der Check bestätigt weder die vollständige Barrierefreiheit noch die BFSG-Konformität einer Website und stellt keine Rechtsberatung dar. Er ist als erste Orientierung und Ergänzung zu einer gründlicheren Prüfung gedacht.
Entwickelt wird der BFSG-Check von der nextlevels GmbH aus Mönchengladbach. Das Unternehmen entwickelt seit 2013 Onlineshops und Software.
Mit dem kostenlosen Werkzeug stellt nextlevels einen niedrigschwelligen Einstieg in die automatisierte Prüfung von Websites bereit.
Den BFSG-Check ausprobieren: https://next-levels.de/barrierefreiheit-check